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Ryanair

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Ryanair
IATA-Code: FR
ICAO-Code: RYR
Rufzeichen: RYANAIR
Gründung: 1985
Sitz: Dublin, Irland Irland
Drehkreuz:

siehe Basen

Heimatflughafen:

Flughafen Dublin

Unternehmensform: Limited
ISIN: IE00BYTBXV33
Leitung: Michael OLeary
Mitarbeiterzahl: 10.926[1] (2016)
Umsatz: 6,53 Milliarden[1] (2016)
Bilanzsumme: 11,21 Milliarden[1] (2016)
Gewinn: 1,24 Milliarden[1] (2016)
Fluggastaufkommen: 117 Millionen[2] (2016)
Flottenstärke: 392 (+ 182 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.ryanair.com

Ryanair ist eine irische Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dublin und Heimatbasis auf dem Flughafen Dublin. Sie ist Mitglied der European Low Fares Airline Association und nach Passagierzahlen mit 117 Millionen Reisenden im Jahr 2016 die größte Fluggesellschaft Europas, vor der Lufthansa Group mit 109,67 Millionen.[1][3][4] Das Unternehmen ist Mitglied im ISEQ Overall Index an der Irish Stock Exchange.

Geschichte

Ryanair wurde 1985 unter anderen vom irischen Unternehmer Tony Ryan als Regionalfluggesellschaft gegründet und startete mit täglichen Flügen zwischen der irischen Stadt Waterford und London-Gatwick. In den folgenden Jahren versuchte die Airline ohne großen Erfolg, in den lukrativen Markt von Aer Lingus und British Airways auf der Rennstrecke DublinLondon einzubrechen. Die Gesellschaft blieb stark defizitär.

Seit 1993 führt Michael OLeary das Unternehmen, nachdem er schon seit 1988 leitende und beratende Funktionen bei Ryanair hatte. Er übernahm die Strategie der Familie Ryan nicht und setzte von Anfang an voll auf das Billigflug-Konzept Niedrigste Preise/Keine Extras der US-amerikanischen Fluggesellschaft Southwest Airlines, indem er unrentable Strecken einstellte und sich auf einen Flugzeugtyp beschränkte. Ab März 1994 wurde die Flotte komplett von BAC 1-11 auf Boeing 737 umgerüstet.[5]

Ryanair begann 1997 im Rahmen der Deregulierung des EU-Luftverkehrs mit der Expansion auf das europäische Festland. Seit 1999 ist der ehemalige Militärflugplatz Hahn, der eigens zu diesem Anlass in Frankfurt-Hahn umbenannt wurde, erster deutscher Stützpunkt im Ryanair-Flugplan. Im Jahr 2003 übernahm Ryanair den verlustreichen Niedrigpreis-Ableger Buzz von KLM Cityhopper. Zweiter deutscher Stützpunkt von Ryanair wurde Ende März 2007 der Flughafen Bremen. Der Flughafen Weeze ist seit Juni 2007 der dritte deutsche Stützpunkt. Mittlerweile landen die Maschinen der Fluggesellschaft auch auf vielen anderen Flughäfen in Deutschland.

Aus Wettbewerbsgründen hat die Europäische Kommission Ende Juni 2007 Ryanair eine Übernahme der irischen Aer Lingus untersagt. Beide Unternehmen zusammen würden sonst 80 % der innereuropäischen Flüge ab Dublin beherrschen, was den Verbrauchern schaden würde.

Das Unternehmen macht immer wieder mit aggressiver Werbung auf sich aufmerksam und polemisiert gegen Konkurrenten (Auf Wiedersehen Späthansa oder Bye Bye Latehansa als Anspielung auf Lufthansa). Einen Höhepunkt dieser Werbestrategie gab es im Mai 2003, als Ryanair-Mitarbeiter mit einem Weltkriegspanzer zum Flughafen London-Luton fuhren, um den Preiskrieg gegen easyJet in Szene zu setzen. Galionsfigur der Medienpräsenz von Ryanair ist Geschäftsführer Michael OLeary.

Laut Angaben des Luftfahrtverbandes IATA beförderte Ryanair 2009 mit etwa 81,4 Millionen Fluggästen mehr Passagiere im internationalen, das heißt grenzüberschreitenden Luftverkehr, als jede andere Fluggesellschaft.[6] Ryanair bezeichnet sich daher als die größte internationale Fluggesellschaft.[5]

Ryanair ist eine Aktiengesellschaft, deren Aktien an den Börsen in Dublin, London und New York gehandelt werden.

Im August 2013 wurde Ryanair durch die britische Wettbewerbsbehörde dazu verpflichtet, ihren Anteil an Aer Lingus von knapp 30 auf 5 Prozent zu senken. Dies macht nach mehreren gescheiterten Versuchen einen weiteren Anlauf zur Übernahme unwahrscheinlich.[7]

Am 31. März 2017 gab das Unternehmen bekannt, dass man ab Sommer 2018 vom Flughafen Warschau-Modlin mit fünf Boeing 737-800 Charterflüge für polnische Reiseveranstalter durchführen will; hierfür soll eigens eine neue Gesellschaft mit dem Namen Ryanair Sun entstehen.[8]

Strategie

Ryanair verfolgt ein sogenanntes No-frills-Konzept. Darunter ist zu verstehen, dass konsequenter als bei anderen Fluggesellschaften üblich Kosten eingespart werden. Dies geschieht bei Ryanair insbesondere anhand folgender Maßnahmen:

Arbeitnehmerstrukturen

Bis 2009 waren Ryanair Piloten Angestellte; seitdem müssen sie in Irland ihr eigenes Unternehmen gründen, was Ryanair Sozialabgaben erspart.[9]

Flugzeuge

Ryanair betreibt eine einheitliche, junge Flotte von Flugzeugen des Typs Boeing 737-800. Dies spart Lagerhaltung, Wartungspersonal und Pilotenschulungen. Außerdem wird die Flugplanung dadurch weniger komplex, da die Flugzeuge beliebig austauschbar sind und immer die gleiche Sitzplatzzahl und Leistung zur Verfügung stehen. Eine Ausstattung mit Winglets senkt den Treibstoffverbrauch. Auf die sonst üblichen Verstellmöglichkeiten der Rückenlehnen, Tabletts an der Rückseite der Sitze und Sitztaschen wird bei Ryanair verzichtet, um Gewicht zu sparen. Außerdem sind die Sitze mit wischfestem Kunstleder bezogen, um eine schnelle Reinigung zu ermöglichen. Ein Großteil der Flotte ist innen mit Werbeflächen ausgestattet. Die Bestuhlung ist mit 189 Sitzplätzen relativ eng und es gibt kein In-flight Entertainment an Bord. Es werden kontinuierlich neue Maschinen gekauft und alte verkauft, um Wartungskosten zu sparen. Zudem liegt die Auslastung der Sitze mit teilweise 96 % (Juli 2017) sehr hoch im Vergleich zu Mitbewerbern.[10]

Auswahl der Flughäfen

Ryanair sucht sich ihre Zielflughäfen vorrangig nach den Kosten aus. Die Gesellschaft versucht, große Vergünstigungen zu erzielen und erhält diese auch in Form von Subventionen, mehrheitlich in Gebieten mit wirtschaftlich schwacher Infrastruktur. Die Legalität dieser Subventionen ist oftmals umstritten. Diese Regionen erhoffen sich durch die Ansiedlung von Ryanair einen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung und somit die Entstehung von Arbeitsplätzen. Allerdings wird immer wieder der Betrieb zu einigen Flughäfen teils sehr kurzfristig eingestellt, wenn dort die Gebühren erhöht werden oder der Vertrag für die verbilligten Abgaben ausgelaufen ist.[11][12]

Ein zweites und wichtiges Kriterium besteht darin, kurze Standzeiten der Maschine von etwa 25 Minuten zu garantieren.[13] Dabei wird nicht nur auf die vorhandene Kapazität von Abfertigungsressourcen Augenmerk gelegt, sondern auch auf kurze Rollzeiten. Im Blickpunkt von Ryanair stehen somit Flughäfen mit eher geringer Auslastung und damit vielen Reserven, die meist abseits der großen Ballungszentren liegen. So kann der Turnaround deutlich kürzer ausfallen.

Da Ryanair zum Teil nicht die zentralen Flughäfen großer Städte anfliegt, werden die angeflogenen kleineren und weiter davon entfernten Flughäfen oft mit dem Namen der nächstliegenden Metropole kombiniert wie beispielsweise Stockholm-Västerås, Hamburg-Lübeck, Düsseldorf-Weeze, Frankfurt-Hahn oder Barcelona-Girona. Dieses Verfahren wird auch von anderen Billigfluggesellschaften angewandt, ist jedoch sehr umstritten und von vielen anderen Fluggesellschaften scharf kritisiert, da die Flughäfen teils über 100 Kilometer und eine entsprechend lange Fahrzeit entfernt vom Stadtzentrum liegen und somit die Namensgebungen den Verbraucher täuschen würden.[14]

Flughäfen und Streckennetz

Die Stützpunktflughäfen sind so über Europa verteilt, dass es nicht zu Einsatzflügen morgens und abends kommen muss. Der Großteil der Flugzeuge startet und endet an einem Stützpunkt (wenige Ausnahmen als W-Muster = A B C B A). Die Flughäfen müssen (mit wenigen Ausnahmen) ermöglichen, einen 25-minütigen Turn-Around (Zeit zwischen Landung und Abflug) durchzuführen, sodass die Maschinen möglichst wenig am Boden stehen. Es werden nur Punkt-zu-Punkt-Flüge durchgeführt, wodurch kein Gepäckmanagement oder Risiko durch verpasste Anschlussflüge entsteht. Überwiegend werden Reiseziele mit günstigen Flughafengebühren oder  wenn möglich  regionalen Subventionen angeflogen, teurere Flughäfen nur bei erwarteter hoher Auslastung (z. B. Berlin, London, Dublin, Barcelona, Madrid). Ryanair nutzt, wo möglich, die in die Maschinen integrierte Fluggasttreppe.

Zusatzgebühren
Umsatzrendite ausgewählter Fluggesellschaften im Geschäftsjahr 2013.[15]

Ryanair erhebt für den Online-Check-In keine Gebühren, für den Check-In am Schalter dagegen schon. Auch für bestimmte optionale Dienstleistungen werden zusätzliche Gebühren erhoben. Dies betrifft unter anderem Getränke und Mahlzeiten an Bord und die Beförderung von aufgegebenem Fluggepäck.[16][17] Seit Januar 2012 können zudem erstmals Sitzplätze in den vordersten Reihen oder am Notausgang gegen Gebühr vorreserviert werden.

Trotz dieser Gebühren sind laut Stiftung Warentest die Flugpreise von Ryanair im Schnitt günstiger als die anderer Fluglinien.[18][19] Der durchschnittliche Ticketpreis lag Ende 2016 bei rund 33 Euro.[20]

Im Oktober 2013 kündigte Ryanair eine deutliche Senkung einiger Gebühren an, für den Ausdruck einer vergessenen Bordkarte beispielsweise von bisher 70 auf dann 15 Euro. Ebenso wird ein zweites kleines Handgepäckstück erlaubt und Tippfehler bei der Buchung sind zukünftig über die Hotline ohne Aufpreis änderbar.[21]

Flugziele

Übersicht

Ryanair bedient über 1600 Strecken zwischen 31 europäischen Staaten, Israel und Marokko. Die Anzahl der Ziele liegt mit Stand Dezember 2016 bei 200.[22] Fast alle Zielflughäfen liegen bewusst im Bereich der Europäischen Union, da die EU seit der Liberalisierung von 1997 als großer Binnenmarkt angesehen wird. Dies macht Ryanair unabhängiger von internationalen Abkommen, was vor allem die Verhandlungen zwischen der Fluggesellschaft und den Flughäfen erleichtert. Die einzigen Länder außerhalb der EU, welche die Gesellschaft anfliegt, sind Marokko, die Schweiz, Norwegen, Montenegro und Israel.[23]

Deutschsprachiger Raum

In Deutschland fliegt Ryanair Berlin-Schönefeld, Bremen, Dortmund, Frankfurt-Hahn, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe/Baden-Baden, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Memmingen, Nürnberg, und Weeze an und verbindet diese mit zahlreichen Zielen in Europa und Marokko.

In Österreich werden Linz und Salzburg angeflogen.

Für die Schweiz, das Elsass und Südbaden wird der in Frankreich gelegene Flughafen Basel-Mülhausen bedient.

Basen

Mit Stand Mai 2017 sind 86 der genutzten Flughäfen von Ryanair als Basen oder Stützpunkte ausgelegt, an denen jeweils mindestens ein Flugzeug mit Besatzungen fest stationiert ist.[24] Größte Basis ist London-Stansted, von wo aus gegenwärtig 40 dort stationierte Maschinen über 100 Ziele bedienen.

Die Basen im Einzelnen (alphabetisch nach Ländernamen):

BI
Belgien Belgien Bulgarien Bulgarien Deutschland Deutschland Griechenland Griechenland Irland Irland Italien Italien
KN
Kroatien Kroatien Litauen Litauen Malta Malta Marokko Marokko Niederlande Niederlande
PS
Polen Polen Portugal Portugal Rumänien Rumänien Schweden Schweden Slowakei Slowakei
SZ
Spanien Spanien Tschechien Tschechische Republik Ungarn Ungarn Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Zypern Republik Zypern

Flotte

Übersicht

Mit Stand Mai 2017 besteht die Flotte der Ryanair aus 392 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 6,6 Jahren:[24]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt[25] Anmerkungen Sitzplätze[26][27]
Boeing 737-700 001 mit Winglets ausgestattet; Trainings- und Standby-Flugzeug 149
Boeing 737-800 391 072 mit Winglets ausgestattet 189
Boeing 737 MAX 200 110 + 100 Optionen[28] 197
Gesamt 392 182
Sonderbemalungen

Ryanair betreibt einige ihrer Maschinen mit Sonderbemalungen, die meist entweder Werbung (in der Regel für bestimmte Städte oder Regionen, die angeflogen werden) tragen oder aber Konkurrenten der Gesellschaft provokativ thematisieren.

Flugzeugtyp Luftfahrzeugkennzeichen Bemalung Bild
Boeing 737-800 EI-DCL Next Generation 737
EI-DHX Costa Daurada
EI-DLG egnamy PLL LOT! (übersetzt Leb wohl PLL LOT!)
EI-DLN Bye Bye Baby
EI-DLO Bye Bye easyJet
EI-DPY Catalunya/G! Costa Brava Pirineu de Girona
EI-EFH Comunitat Valenciana
Ehemalige Flotte

In der Vergangenheit setzte Ryanair unter anderem folgende Flugzeugtypen ein:

Flugzeugtyp Einsatzjahre
ATR 42-300 19891991
Avro 748 19861989
BAC 1-11 19871994
Boeing 737-200 19942005
Embraer EMB 110 19851989

Kritik

Kundenservice
Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2009 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

In einem von der Stiftung Warentest 2009 durchgeführten Vergleichstest schnitt Ryanair in puncto Information und Buchung unter zehn getesteten Billigfliegern am schlechtesten ab.[19] Es gab nur folgende Kontaktmöglichkeiten: Eine Telefon-Hotline für Neu- und Umbuchungen sowie Stornierungen, eine für den erweiterten Internet-Support,[29] eine Anschrift für schriftliche Belange, die jedoch in englischer Sprache an die Zentrale in Irland geschickt werden mussten,[30] und eine Faxnummer, die aber nur Beanstandungen für genutzte Flüge betrifft.[30] Eine E-Mail-Adresse war auf der Website von Ryanair nicht angegeben, obwohl Kapitel II Artikel 5 Absatz 1c) der EG-Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr dies zwingend vorschreibt.[31] Ein Kontaktformular für Anfragen ist jedoch auf der Website der Gesellschaft vorhanden. Neuerdings gibt es eine E-Mail-Adresse sowie einen Chat.[32] Auch kann man Fragen auf Twitter stellen.[33]

Verbraucherschutz

Probleme hatte Ryanair schon unter anderem mit der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs wegen der Bezeichnung von Flughäfen. Diese werden oft nach Großstädten benannt, die zumeist weit entfernt von der jeweiligen Stadt liegen. So liegen beispielsweise die Flughäfen Weeze, Frankfurt-Hahn, Stockholm-Skavsta und Paris-Beauvais mehr als 50 km von der Stadt entfernt, nach der sie benannt wurden. Vor Gericht hat allerdings zumeist Ryanair Recht bekommen. Mittlerweile haben sich einige Flughäfen auch offiziell den Namen gegeben, der zuvor schon von Ryanair verwendet wurde. In anderen Fällen hat die Fluggesellschaft selbst einen anderen Namen gewählt. So hieß der Leipzig-Altenburg Airport bei Ryanair bis zur Einstellung des Betriebes nur noch Altenburg. Der Flughafen Memmingen wird nur in Klammern mit dem Hinweis München-West versehen.

Probleme gab es auch mit den restriktiven Geschäftsbedingungen in vergangenen Jahren. Im März 2004 entschied das Landgericht Köln, dass die bisherige Klausel Sämtliche bezahlte Beträge (einschließlich Steuern und Gebühren) sind nicht erstattbar für den Fall einer Stornierung ungültig ist, Ryanair also wenigstens die Steuern und Gebühren erstatten muss. Denn diese Kosten entstehen Ryanair in diesem Falle erst gar nicht. Geklagt hatte die Wettbewerbszentrale. Aufgrund dieser Klage wurden die AGB geändert. Ryanair erhebt jedoch inzwischen (Stand Oktober 2010) eine Verwaltungsgebühr für Rückerstattung staatlicher Steuern in Höhe von 20 Euro.[34] Wenn der zu erstattende Betrag weniger beträgt (was häufig der Fall ist) als die Verwaltungsgebühr, erfolgt keine Erstattung. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Gebühren erstattungsfähig sind. Für die sogenannte Passenger Service Charge ist bereits bei der Flugbuchung Non Refundable vermerkt. Somit verringern sich die erstattungsfähigen Gebühren teilweise um über 50 %.

Ausgefallene, stornierte, erheblich verspätete Flüge und auch Flüge, bei denen Ryanair die Abflugzeit um mehr als drei Stunden per Flugplanänderung nach Buchung geändert hat, können vom Passagier nach Erhalt einer entsprechenden Benachrichtigung oder auf der Website kostenlos auf einen anderen Flug umgebucht werden. Wahlweise erhalten die Personen auch innerhalb sieben Tagen eine Erstattung von Flugpreis und Gebühren oder einen Gutschein, der ebenfalls auf der Website von Ryanair eingelöst werden kann.

Ryanair erhielt eine rund drei Millionen Euro schwere Strafe, weil sie etwa 180 Passagieren während des Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 und den darauf folgenden Flugausfällen besonders am Flughafen Rom-Ciampino nicht (beispielsweise durch Getränke) geholfen hat. Nun bietet die Fluggesellschaft Entschädigungen an.[35]

Einer Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen wegen Erhebung von Gebühren für alle Kartenzahlungen mit Ausnahme der nicht weit verbreiteten Visa-Electron-Karte wurde am 30. April 2009 vor dem 23. Zivilsenat des Kammergerichts Berlin stattgegeben.[36] Die von Ryanair gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom Bundesgerichtshof (AZ: Xa ZR 68/09) zurückgewiesen.[37] Ungeachtet dieser Gerichtsurteile hält Ryanair weiterhin an der Praxis fest, Gebühren für alle Zahlungsmöglichkeiten mit Ausnahme der in Europa wenig verbreiteten Mastercard Prepaidkarte und der Zahlungsmethode Sofortüberweisung zu erheben.[34]

Ryanair weigerte sich anfangs, die gemäß EU-Recht dem Beförderer zufallenden Kosten der Passagiere durch die Flugausfälle wegen Vulkanasche im April 2010 zu übernehmen.[38]

Subventionen durch Flughäfen

Ryanair fliegt in erster Linie kleinere Regionalflughäfen an, wobei das Unternehmen größere Gebührennachlässe aushandelt. An manchen Flughäfen soll Ryanair keinerlei Gebühren zahlen, sondern stattdessen Marketingmaßnahmen für die Flughäfen übernehmen. Wie Erfahrungen zeigen, setzt Ryanair oftmals explizit auf die dauerhafte Subventionierung ihrer Strecken durch regionale Gebietskörperschaften.

Nach einer Klage von Konkurrenten wurde deshalb Ryanair im September 2003 verpflichtet, die vom elsässischen Flughafen Straßburg illegal erhaltenen Subventionen zurückzuzahlen. Infolgedessen kehrte das Unternehmen dem französischen Flughafen den Rücken und fliegt seit Oktober 2003 vom ca. 40 km nördlich liegenden Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.

Am 3. Februar 2004 entschied die Europäische Kommission, dass ca. 75 Prozent der Subventionen, die das Unternehmen vom staatlichen Flughafen Brüssel-Charleroi erhalten hatte, unrechtmäßig seien und von Ryanair zurückgezahlt werden müssten. Der Europäische Gerichtshof urteilte im anschließenden Gerichtsverfahren, dass die EU-Kommission bei der Beurteilung fehlerhaft vorgegangen sei.[39] Die EU-Kommission entschied erneut im Oktober 2014 und stellte nun fest, dass Teile der Beihilfen für Charleroi zulässig seien, ein Anteil von sechs Millionen Euro jedoch zurückgezahlt werden müsse. Zudem wurden Belgien wettbewerbsrechtliche Auflagen zur marktgerechten Ausgestaltung der Landegebühren gemacht.[40] Ob und welche Konsequenzen diese Entscheidung für Ryanair und die anderen betroffenen Flughäfen hat, ist noch unklar.

Das Landgericht Kiel entschied am 8. August 2006, dass eine eventuelle Unterstützung, die Ryanair vom Flughafen Lübeck erhalten haben könnte, nicht rechtmäßig sei. Der Flughafen Lübeck wurde vom Landgericht aufgefordert, die Verträge mit Ryanair offenzulegen. Der Flughafen hat gegen diesen Entscheid Einspruch eingelegt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat dem Flughafen Lübeck Recht gegeben. Gegen diese Entscheidung strengt Air Berlin ein Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof an.

Eine Klage der Deutschen Lufthansa AG wegen unerlaubter Beihilfen für den Flughafen Frankfurt-Hahn wurde in erster und zweiter Instanz von rheinland-pfälzischen Gerichten zunächst abgewiesen, der Revision vor dem BGH wurde 2011 jedoch stattgegeben und 2013 vom Europäischen Gerichtshof auch die Zuständigkeit des Oberlandesgerichtes für die Durchsetzung der Beihilfeentscheidungen der Europäischen Kommission bestätigt.[41] Am 1. Oktober 2014 entschied dann die EU-Kommission in sieben Fällen über die Zulässigkeit von staatlichen Beihilfen an Flughäfen oder Fluggesellschaften: im Falle von Frankfurt-Hahn wurden dabei die Beihilfen aber nicht beanstandet und in vollem Umfang für zulässig erklärt.[42][40]

Arbeitnehmerrechte

Des Weiteren wird von Gewerkschaftsseite oft der Umgang mit den Arbeitnehmern kritisiert. Es gibt weder gewerkschaftliche Organisationen noch eine innerbetriebliche Personalvertretung. Ein großer Teil der Piloten und Flugbegleiter wird von Zeitarbeitsfirmen gestellt (ca. 50 %). Zu erwähnen ist dabei die Kampagne Ryan be fair im Internet, die von der britischen Transportarbeitergewerkschaft zur Etablierung einer Arbeitnehmervertretung initiiert wurde. Die Gewerkschaft ver.di und ehemalige Stewardessen, die als Leiharbeiterinnen bei Ryanair eingesetzt wurden, kritisieren, dass die zahlreichen Leiharbeitnehmer faktisch nur die reine Flugzeit bezahlt bekämen, am Zielflughafen ohne gesonderte Entlohnung Kabinen inklusive Toiletten putzen müssten, nur 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr erhielten, bei Krankheit keine Lohnfortzahlung bekämen, sich mehrmals im Monat unbezahlt am Heimatflughafen in Bereitschaft halten müssten und laut Arbeitsvertrag bei Streik mit Entlassung zu rechnen hätten.[43]

In internen Rundschreiben drohte Ryanair ihren Beschäftigten mit Jobverlust, sollten sie Kontakte zu Arbeitnehmervertretungen aufnehmen.[44]

Im Oktober 2014 wurde Ryanair in Aix-en-Provence in zweiter Instanz zu Schadenersatz von gut acht Millionen Euro und einer Geldstrafe verurteilt, weil das Gericht es als Schwarzarbeit einstufte, dass die Sozialabgaben der 127 Mitarbeiter am Flughafen Marseille nicht in Frankreich, sondern sehr viel günstiger in Irland abgeführt wurden.[45]

Treibstoffpolitik

Nachdem am 26. Juli 2012 drei Ryanair-Maschinen, die von Madrid nach Valencia umgeleitet wurden, wegen Treibstoffmangel notlanden mussten, wurde Ryanair von der deutschen Vereinigung Cockpit kritisiert, sie setze Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken.[46] Ryanair wies die Kritik zurück und sagte, sie bewege sich im rechtlichen Rahmen.[47] Ryanair war nur eine von mehreren Fluggesellschaften die an diesem Tag wegen Treibstoffmangel notlanden mussten. Der Flughafenbetreiber AENA teilte mit, dass die Behauptung, nur Ryanair-Flüge wären betroffen gewesen, falsch sei.[48] Am 19. Dezember 2011 hatte sich allerdings der zweite Chefpilot in einem Rundschreiben an die Ryanair-Piloten darüber beklagt, einige bestünden darauf, mit drei Tonnen zusätzlichem Treibstoff zu starten, was vollkommen inakzeptabel sei.[49]

Trivia

  • Am 25. Februar 2010 gewann ein Ryanair-Passagier mit einem Rubbellos 10.000 Euro auf einem Flug von Krakau zu den East Midlands. Als er erfuhr, dass er den Gewinn nicht umgehend ausbezahlt bekommen konnte, aß er das Los auf. Auf der Website der Fluggesellschaft wurde später nach Vorschlägen gefragt, welche Hilfsorganisation den Gewinn bekommen solle.[50]
  • Michael OLeary, der Chef von Ryanair, ist besonders für seine kontroversen Aussagen bekannt. So erklärte er, dass ein Pilot im Cockpit ausreiche und eine Stewardess im Notfall auch das Steuer übernehmen könne. Weiterhin schlug er vor, Toilettennutzungsgebühren einzunehmen und Stehplätze im Flugzeug einzuführen.[51] Letztere Vorschläge bezeichnete OLeary im Mai 2014 in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als nicht ernst gemeint[e] PR-Gags mit dem Ziel, kostengünstig Aufmerksamkeit [zu] erregen.[52]
  • Das Logo der Ryanair erinnert an das Wappen der Republik Irland, des Heimatlandes der Gesellschaft, das eine Harfe auf blauem Grund darstellt.

Zwischenfälle

Ryanair verzeichnet in ihrer Geschichte bisher einen Zwischenfall mit Totalverlust eines Flugzeuges:[53]

Siehe auch

Literatur

  • Siobhan Creaton: Ryanair: How a Small Irish Airline Conquered Europe. London 2005, ISBN 1-84513-083-9.

Weblinks

 Commons: Ryanair  Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Ryanair  Reiseführer
 Wikinews: Ryanair  in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. a b c d e Ryanair: 2015 annual report. Abgerufen am 7. November 2016 (PDF).
  2. Ryanair und Easyjet können 2016 kräftig zulegen. In: airliners.de. 6. Januar 2017, abgerufen am 14. Januar 2017.
  3. Passagierzahlen: Ryanair überholt Lufthansa. In: Manager Magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 18. März 2017]).
  4. Lufthansa Geschäftsbericht 2015. S. 50, abgerufen am 23. Mai 2016 (PDF).
  5. a b ryanair.com About Us (englisch), abgerufen am 3. Februar 2013
  6. IATA World Air Transport Statistics (englisch), abgerufen am 23. Januar 2015
  7. austrianaviation.net Ryanair senkt Aer-Lingus-Anteil, 28. August 2013
  8. Ryanair to establish new standalone charter unit. In: ch-aviation. ch-aviation, 31. März 2017, abgerufen am 31. März 2017 (englisch).
  9. Profit. Auf Kosten aller? - Der gnadenlose Preiskampf der Billigairlines, 14. Juni 2017, ARD 45 Min Dokumentarfilm
  10. cs: Passagierzahlen: Ryanair wächst kräftiger als Easyjet. In: Airliners.de. 4. August 2017, abgerufen am 6. August 2017.
  11. BBC to Dublin flight is ended (englisch)
  12. RTE 150 jobs to go as Ryanair cuts Shannon flights, 10. Oktober 2009 (englisch)
  13. Focus Luftverkehr: Ryanair: Keine Abkehr vom Low-Cost-Modell, 25. September 2010
  14. softweb.at Ryanair
  15. Michael Machatschke: Bitte anschnallen! In: Manager-Magazin. Nr. 5, 2014, S. 3643.
  16. Ryanair Gebührentabelle abgerufen am 13. Dezember 2011
  17. Stern Der Koffer kostet mehr als der Sitzplatz, 12. Dezember 2011 abgerufen am 12. Dezember 2011
  18. Billigflieger: Zehn Airlines im Test. Stiftung Warentest, 26. Februar 2009, abgerufen am 14. Dezember 2012.
  19. a b Stiftung Warentest: Testergebnisse im Überblick. Stiftung Warentest, 26. Februar 2009, abgerufen am 14. Dezember 2012.
  20. Rheinische Post Ryanair-Tickets kosten im Schnitt 33 Euro, 07. Februar 2017 abgerufen am 8. Februar 2017
  21. aero.de Ryanair senkt Gebühren für Gepäck und Bordkarten, 25. Oktober 2013
  22. corporate.ryanair.com Fact and Figures (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  23. flights.ryanair.com Billigflüge Europa abgerufen am 15. Mai 2017
  24. a b ch-aviation Ryanair (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  25. Boeing Orders & Deliveries (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  26. ryanair.com Flotte abgerufen am 21. März 2017
  27. Neue MAX-Version mit bis zu 200 Passagiersitzen: Ryanair-Großauftrag für 100 Boeing 737 MAX 200. In: flugrevue.de. 8. September 2014, abgerufen am 15. Mai 2017.
  28. Boeing Boeing, Ryanair Finalize Order for 100 737 MAX 200s, 1. Dezember 2014 (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  29. ryanair.com Reisefragen Kontakt Kontakt zum Buchungszentrum
  30. a b ryanair.com Reisefragen Kontakt Kontakt mit dem Kundenservice
  31. Richtlinie 2000/31/EG (PDF) über den elektronischen Geschäftsverkehr
  32. ryanair.com Kontakt
  33. twitter.com Ryanair
  34. a b ryanair.com Ryanair Gebühren
  35. Hamburger Abendblatt Millionenstrafe für Ryanair, Mai 2010
  36. gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de Allgemeine Geschäftsbedingungen eines Luftbeförderungsunternehmens: (Un-)Wirksamkeit von einen Barzahlungsausschluss und die Erhebung von Kredit- und Zahlkartengebühren betreffenden Klauseln, 30. April 2009
  37. Bundesgerichtshof Ryanair darf Barzahlung ausschließen, aber keine zusätzlichen Gebühren für Kartenzahlung verlangen, 20. Mai 2010
  38. The Guardian Fury as Ryanair refuses to pay stranded passengers costs. Budget airline Ryanair risks consumer backlash by refusing to pay hotel and food bills of passengers stranded by ash cloud, 21. April 2010
  39. n-tv EuGH gibt Ryanair Recht, 17. Dezember 2008
  40. a b Europäische Kommission Beihilfen für Flughäfen Hahn und Saarbrücken genehmigt nicht aber für Zweibrücken, 1. Oktober 2014
  41. finanznachrichten.de ROUNDUP: Streit um staatliche Beihilfen für Ryanair geht wohl bis zum BGH, 16. Februar 2009
  42. Rhein-Main-Presse Rechtsstreit um Gebühren für Billigflieger Ryanair am Hahn, 4. September 2014
  43. publik.verdi.de Ausbeutung über den Wolken, März 2008
  44. Süddeutsche Zeitung Ryanair: Wer rebelliert, fliegt raus, 19. Mai 2010
  45. Der Spiegel Schwarzarbeit in Frankreich: Ryanair muss acht Millionen Euro Schadensersatz zahlen, 28. Oktober 2014
  46. Tobias Appelt: NDR-Doku zeigt die Gefahr der Kampfpreise bei Billigfliegern. (derwesten.de [abgerufen am 10. Mai 2017]).
  47. Ryanair-Piloten fliegen mit zu wenig Sprit. In: Die Zeit. 16. August 2012, abgerufen am 15. Januar 2014.
  48. Thunderstorms in Madrid on Jul 26th 2012, landings, diversions, fuel emergencies and Ryanair. The Aviation Herald, 22. August 2012, abgerufen am 22. September 2017 (englisch).
  49. Martin Dahms: Ryanair spart an Treibstoff für ihre Maschinen. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 16. August 2012, abgerufen am 16. Januar 2014.
  50. The Aviation Herald Ryanair serves most expensive ever inflight meal (englisch)
  51. Wirtschaftswoche Billigflieger: Ryanair-Chef verteidigt seine Spar-Exzesse, 14. Oktober 2010
  52. Ryanair-Chef: Wir fliegen für 10 Euro nach Amerika. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Mai 2014, abgerufen am 19. Mai 2014.
  53. Daten über die Fluggesellschaft Ryanair im Aviation Safety Network

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